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Die Hass – Liebe mit dem New Adult Genre : ein Interview mit Ivy Booknerd

Als kleine Einleitung:

Ivy und ich haben beinahe gleichzeitig das Buch “All In” von Emma Scott gelesen und während ich es geliebt und wie ein Schlosshund geheult habe entsprach es kein bisschen Ivy`s Erwartungen und hat dazu geführt, dass sie diesem Genre nun ganz den Rücken kehren möchte. Deshalb haben wir gedacht wir veröffentlichen gemeinsam ein kleines Interview über das Genre und all die Vor- und Nachtteile. Macht euch auf eine rege Diskussion gefasst, denn wir werden nicht einer Meinung sein!

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Wann hast du dein erstes Young/ New Adult Buch gelesen?

Ariana:

Ich kann mich nicht mehr ganz genau erinnern, aber ich denke ich war etwas spät dran. Vielleicht so 19? Damals war ich in einer Beziehung gefangen, in der vieles ein No Go war und ich selbst war auch sehr unsicher und bin oft angeeckt, weshalb ich mich in Gegenwart von Büchern einfach wohler gefühlt habe als in der von Menschen. Und irgendwie hatte ich bei diesem Genre das Gefühl gehabt etwas gefunden zu haben, dass mir im wahren Leben nicht gestattet ist.

Ivy:

Ich kann mich nicht mehr genau daran erinnern, wann es war, ich muss so 22/23 Jahre alt gewesen sein, weiß aber noch ganz genau, welches Buch mein erstes NA Buch war: „Slammed“ von Colleen Hoover. Ich habe es damals auf eine Empfehlung auf Instagram hin gelesen. Damals war ich mir dieses Genres gar nicht so bewusst, freute mich aber darüber offenbar ein Genre gefunden zu haben, dass irgendwie meinem Alter entsprach. Heute kann ich über meine damalige Feststellung nur noch mit dem Kopf schütteln. 

Ariana:

Jetzt wo du es sagst war das gemeinsam mit der “Lux” Reihe von Jennifer L. Armentrout auch eines der ersten New Adult Bücher die ich gelesen und vor allem abgöttisch geliebt habe! Doch irgendwie hätte ich das rückblickend mit all den Büchern die noch kamen gar nicht mehr ins New Adult Genre eingeordnet. Komisch oder?

Was hat dich daran fasziniert?

Ariana

Das New Adult Genre war wie eine kleine Rebellion. Bei meinem türkischen Vater waren es genau diese Bücher mit den halbnackten Männern drauf, die ich besser unterm Kopfkissen versteckt habe – und desto größer wurde natürlich auch der Reiz eins nach dem anderen zu verschlingen und irgendwie mehr über mich selbst, meine Wünsche und Vorstellungen von Liebe und Sexualität herauszufinden.

Ivy:

Ich glaube meine anfängliche Faszination an diesem Genre lag daran, dass die Charaktere fast allesamt in meinem Alter waren. Junge Menschen Anfang 20, die gerade dabei waren, die erste große Liebe zu finden, mehr über sich selbst, ihren Körper und ihre Sexualität herauszufinden. Das hat mich irgendwie neugierig gemacht. Hinzu kommt, dass ich eine absolute Romantikerin bin. Ich stehe zwar nicht unbedingt auf Kitsch, aber bei romantischen Liebesgeschichten schlägt mein Herz höher, auch heute noch. Allerdings hat sich diese Faszination schnell gelegt je mehr Bücher ich aus diesem Genre las. Je älter ich wurde, desto intensiver las ich zwischen den Zeilen und immer wieder tauchten Aspekte in diesen Büchern auf, mit denen ich nicht zurechtkam; die ich einfach mit meinen Werten nicht vereinbaren konnte. 

Welches sind bis heute deine liebsten New Adult Bücher?

Ariana

Ich bin super schlecht darin zwischen New Adult und Young Adult zu unterscheiden muss ich zugeben… Ich würde stattdessen ein paar Autoren nennen, die ich damit assoziiere. Laura Kneidl, Anna Todd, Geneva Lee, Samantha Young, Sylvia Day und J. Kenner waren glaube ich so die ersten die ich gelesen habe, die absolut Hardcore im Gegensatz zu dem Standard Jugend Schnulzen Roman waren (manche gehören natürlich eher ins Erotik Genre, aber wer kann das schon unterscheiden?). Natürlich habe ich auch Shade of Grey und Co nicht ausgelassen. Ach Gott jetzt wo ich drüber nachdenke habe ich sooooo viele verschlungen! Natürlich waren nicht alle besonders gut oder anspruchsvoll aber hey, das passiert mir bei jedem Genre. Jennifer L. Armentrout fällt Meiner Meinung nach auch schon in die Richtung, ist dabei aber eher seichter.

(Kleiner Edit: Ich WEIß, das manche dieser Autoren ins Erotik Genre gehören! Unter anderem habe ich auch mit Colleen Hoover und Co gestartet, aber wie bereits oben erwähnt fällt mir die Trennung der einzelnen Genres sehr schwer! Denn wenn Ivy sagt in All In gab es viele sehr explizite Sexszenen hat sie Recht, und dennoch ist es ein New Adult Buch. Somit ist die Trennung grade für mich nicht linear zu ziehen. Also seid bitte offen für Spielraum!)

Ivy:

Spontan hätte ich jetzt gesagt, keines. Doch zu 100 % würde dies wohl nicht der Wahrheit entsprechen. Ich kann mich an zwei NA Bücher erinnern, die anders waren, als die, die ich gelesen habe. Einmal wäre dies „It Ends With Us“ von Colleen Hoover, obwohl ich zu diesem Zeitpunkt der Autorin aus diversen Gründen bereits abgeschworen hatte, habe ich mich erneut an eines ihrer Werke herangetraut und war wirklich positiv überrascht. Weshalb, könnt ihr unter anderem in meiner Rezension (Link einfügen) nachlesen. Allerdings würde ich persönlich dieses Buch nicht unbedingt zum New Adult Genre zählen. 

Als zweites wäre da noch „Berühre mich. Nicht.“ von Laura Kneidl, das zwar nicht perfekt war, aber mich auf eine Weise begeistern konnte, wie es zu diesem Zeitpunkt noch nie ein anderes NA Buch getan hatte. Bei diesem Buch handelt es sich einfach nicht um ein typisches NA Buch und ich denke genau das ist es, was mir so gut daran gefallen hat. Mehr dazu könnt ihr in meiner Rezension (Link einfügen) nachlesen. 

Aber ansonsten würde ich sagen, dass ich all die NA Bücher, die ich gelesen habe, fast ausschließlich nicht mochte, darunter waren Autoren wie z. B. Emma Scott, Mona Kasten, Jennifer L. Armentrout, E. L. James – in meinen Augen alles ganz furchtbare Bücher. 

Findest du an ihnen etwas besonders inspirierend oder problematisch?

Ariana

Also besonders inspirierend finde ich (Ivy wird gleich laut losschreien) das sexuelle ausleben der Charaktere. Ich weiß ich weiß viele werden jetzt sagen: Dann kannst du einfach Pornos schauen. Oder: Was ist inspirierend daran wenn es in dem Buch zu 50% um Sex geht?

Nun ja ich bin der Meinung nicht jeder hat heutzutage Normvorstellungen davon, wie er sich sexuell ausleben möchte – oder bekommt kaum die Möglichkeit zu sagen was er überhaupt mag. Mir hat es damals wirklich geholfen herauszufinden was ich mag oder vielleicht gern mal testen würde. Natürlich sind auch da alle Klischees bedient. Aber ist das wirklich schlimm? Es gibt genug junge Mädchen heutzutage (ja immer noch) die super unsicher mit sich, ihrem Körper, ihrer Lust, ihrer Vorstellung von Liebe und Co. sind. Und auch wenn diese Bücher meist unrealistisch sind (hey es sind Bücher, die jemandes Fantasie entsprungen sind!) können sie dabei helfen sich ein Stückweit selbst zu finden.

ABER natürlich ist das nicht alles. Denn als gefestigte junge Frau erkennt man, das Bücher mit Stereotypen handeln und das es natürlich heiß sein kann über einen tätowierten heißen typen zu lesen, der seine Freundin ein bisschen verdrischt, man kann aber unterscheiden, dass dies nicht unbedingt die angestrebte Realität sein sollte. Junge Menschen bekommen dadurch aber natürlich eine glorifizierte Version einer möglicherweise toxischen oder gefährlichen Beziehung vorgesetzt. Nicht jeder kann Fiktion von der Realität unterscheiden, was dann wiederum dazu führen kann das manche jungen Menschen sich vielleicht auf Beziehungen einlassen, die gefährlich werden und zu späteren Schäden führen können. (Ich habe mal ein junges Mädchen getroffen, die mir immer wieder Bilder von geschlagenen Frauen gezeigt hat und die Blutergüsse als wunderschön bezeichnet hat – Leute das ist weder schön, noch sexy sondern einfach krank!)

Ivy:

Okay, ich habe jetzt wirklich lange überlegt, ob ich irgendetwas an diesem Genre als „inspirierend“ bezeichnen würde, aber mir will einfach nichts einfallen. Mit Ausnahme vielleicht der Tatsache, dass – wie alles andere – auch dieses Genre sich langsam weiter entwickelt und Autoren/Autorinnen anfangen, sich etwas mehr zu trauen und versuchen, aus dieser klischeebehafteten NA-Bubble herauszubrechen wie z. B. Laura Kneidl. Sie hat mir mit ihren Büchern (zuletzt mit „Someone New“) gezeigt, dass dieses Genre eben mehr kann, als wir vielleicht glauben. Es liegt daher vielleicht nicht unbedingt an dem Genre selbst, wieso ich es nicht mag, sondern eher daran, was die Autoren/Autorinnen daraus machen. 

Was die problematische Seite diese Genres angeht, da könnte ich nun jede Menge Punkte aufzählen, allem voran Sexismus, Romantisierung von toxischen Beziehungen, verquere Darstellung des Frauenbildes, etc. pp. Natürlich ist nicht jedes Buch aus diesem Genre problematisch, wie bei allem, gibt es auch hier Ausnahmen, doch ein solches Buch zu finden ist vergleichbar mit der Nadel im Heuhaufen. 

Bevor meine Antwort zu dieser Frage allerdings ausartet, möchte ich auf die untenstehenden fünf ausführlichen Gründe verweisen, aus welchem Grund ich das New Adult Genre als problematisch empfinde und weshalb ich mich dazu entschlossen habe, dem Genre nun endgültig den Rücken zu kehren

Liest du das Genre auch heute gern noch, oder bist du ihm entwachsen?

Ariana

Tatsächlich lese ich immer noch gern New Adult Bücher, allerdings nur noch von bestimmten Autoren. Während ich vorher jedes Buch verschlungen habe, das ich in die Finger bekommen habe, schaue ich nun vorher ganz genau ob die Thematik mir gefällt und lese kurz rein (bei Autoren, die ich vorher noch nicht kannte.).

Ivy:

Als Antwort zu dieser Frage gibt es nun die oben bereits erwähnten fünf Gründe, weshalb ich mit diesem Genre einfach nichts mehr anfangen kann. Da die Ausführungen teilweise sehr umfangreich sind, habe ich euch die Antworten von Ariana nicht kopiert, sondern verweise einfach auf ihren Beitrag. Vorbeischauen lohnt sich also, wenn ihr ihre fünf Gründe erfahren möchtet, warum sie, auch nach all den Jahren, New Adult Romane immer noch gerne liest. 

Ariana

5 Gründe warum ich immer noch New Adult Romane lese:

  • Ich habe einen gedanklich recht anspruchsvollen Beruf und diese Bücher sind oft so easy zu lesen, das ich mal eben schnell nach der Arbeit noch ganz entspannt eins verschlingen kann, ohne mich erst durch 200 Seiten High Fantasy Beschreibung kämpfen zu müssen.
  • Auch heute finde ich es noch immer interessant wie unterschiedlich Sexualität dargestellt wird, auch wenn es für die meisten einem reinen Standard Porno zum Lesen ähnelt. Ich finde es interessant wie man dadurch irgendwie immer herausfinden kann, welches Stück seiner eigenen sexuellen Erfahrung der Autor auch eingebracht hat – oder womit er/sie sich vermutlich noch nie beschäftigt hat.
  • Ich bin trotzdem noch eine hoffnungsvolle Romantikerin und habe früher immer gedacht, dass mir nie vergönnt sein würde, worüber ich tagtäglich lese. Doch jetzt bin ich in einer tollen Beziehung und fühle mich von den perfekten Beziehungen in den Büchern nicht mehr beeinflusst oder unter Druck gesetzt.
  • Ich finde sie unterhaltsam, auch wenn sie aus totalen Klischees bestehen. Denn ich weiß ja wie echte Männer aussehen, was beim sex möglich ist und was nicht – und das die meisten Männer weit entfernt von perfekt sind. Deshalb kann ich mich ganz entspannt hinsetzen und das Buch einfach genießen. Liebesfilme sind schließlich auch ziemliche unrealistisch – und trotzdem mögen die meisten Frauen sie.
  • Last but not least: A girl has to dream. Auch wenn alles nur Fiktion ist tauche ich gern mal in Welten ein, in denen der Mann atemberaubend gut im Bett ist, super heiß aussieht und auch ansonsten vielleicht mal etwas rauer und dominanter, als ich es mir vielleicht im echten Leben gefallen lassen würde. Denn darum geht es doch oder? Der Realität mal für ein paar Stunden zu entfliehen 🙂

Ivy

5 Gründe warum ich mich vom New Adult Genre trennen musste

Wenn ihr mehr über Ivy`s Gründe erfahren wollt, schaut unbedingt auf ihrem Blog vorbei! Gerne freuen wir beide uns aber auch über eure Buchtips oder Argumente für/ gegen das New Adult Genre.

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3 Comments

  • T

    Ähm sry Ariana, die Titel und Autoren, die du aufzählst sind kein New Adult sondern Erotik. New Adult ist lower und meist ohne gebumse auf allen paar Seiten.

    • Solaire

      Danke für deinen Kommentar! Wie gesagt finde ich es unheimlich schwer das überhaupt zu trennen! Vieles was andere als Young adult bezeichnen ist für mich schon new Adult und andersherum! 🙂 manches was andere als Erotik deklarieren finde ich hingegen super harmlos. Hoffe das du verstehst was ich meine!
      Liebe Grüße
      Ariana

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